MÄRKISCHE ALLGEMEINE
9. Oktober 2003, Seiten 1, 24

»BRUCE LEE STATT BUDDAH«

SOMMERSWALDE Bis vor kurzem lebten im Schloss Sommerswalde noch friedlich buddhistische Nonnen und Mönche, nun ist dort das Böse eingezogen. Und statt Meditation und Gebete gibt es jetzt Tritte und Schläge. Die Zeit der Stille ist vorbei.

Die Filmproduktionsgesellschaft "Action Concept" hat das Schloss bis Mitte Oktober gemietet, dreht dort und in Berlin einen Endzeit-Streifen. Wichtigste location: das Schloss. "Hier wohnt der grausame Diktator Bosco", erklärt Timo Johannes Mayer, der für die Pressearbeit zuständig ist.

Kampfansage gegen das Böse

Der Übeltäter lässt sich nur mit knallharten Kung-Fu-Einlagen bändigen. "Kampfansage - der letzte Schüler" lautet so auch der vorläufige Titel des Streifens mit Spielfilmlänge. Mitte 2004 soll er in den Kinos anlaufen. Fernöstliche Kampfkunst aus deutschen Landen auf der Leinwand - ein Novum.

Der Film des Nachwuchs-Regisseurs Johannes Jaeger spielt in der Berliner Region um das Jahr 2050. Mayer: "Nach einer extremen Wirtschaftskrise und verheerenden Naturkatastrophen herrschen in Deutschland mittelalterliche Zustände und das Faustrecht." In den Ruinen der Städte kämpfen Straßenkinder ums Überleben. Auf dem Land fristen Ackerbauern ein kärgliches Dasein - eine neue Herrschaftselite von Warlords beutet sie aus. Söldnerführer Bosco will seine Macht festigen. Mit Hilfe fernöstlicher Kampfeskunst. Er lässt den Kampfkunst-Lehrer ermorden, um dessen Buch über geheime Kung-Fu-Techniken zu ergattern. Der tapfere Jonas will das Werk zurückerobern, kämpft in der Schloss-Bibliothek gegen Bosco.

Ganz schön gefährlich. So gefährlich, dass sich Hauptdarsteller Mathis Landwehr alias Jonas bei einem Sturz-Stunt an der Schulter verletzt hat. Die Kampfszenen ruhen für einige Tage. Derweil wird ein Keller zur Bibliothekskulisse umgestaltet. Mitarbeiter packen alte Bücher in Regale, sprühen bräunliche Farbe an die Wand. Düstere Patina statt strahlendem Buddhisten-Weiß. "Wir haben monatelang gesucht, bis wir die geeigneten Drehorte gefunden haben", sagt Mayer. Berlin wegen des morbiden Charmes, das Schloss Sommerswalde wegen seiner beeindruckenden Räumlichkeiten.

An die 200 Darsteller sind im Einsatz. Promis wie Bela B. von den "Ärzten". Und unbekannte Nachwuchs-Schauspieler. Volkram Zschiesche etwa spielt Vinzent, Jonas' Freund. Eine weitere Hauptrolle.

Jackie Chan stand Pate

Zschiesche hat schon von kleinauf Kampfsport gemacht und liebt Kung-Fu-Filme. Sein Favorit: Jackie Chan. "Der kann für eine Zwei-Minuten-Kampfszene auch schon mal einen Monat proben. Uns bleiben höchstens zwei Tage", sagt der 24-jährige Stuttgarter. Verdammt anstrengend. 16 Stunden dauert ein Drehtag, Prellungen und blaue Flecken inklusive. Als bloßen Gewalt- streifen sieht Mayer den Film dennoch nicht. Kung-Fu sei ja auch eine Verbindung von Körper und Geist: "Hier fliegen keine Zähne raus." Die Buddhisten können ob ihrer Nachmieter beruhigt sein.

Fritz Hermann Köser

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